Don Giovanni – prächtig in Köln
Besucht: Premiere am 9. März 2025
Die Opernfans in Köln waren sehr gespannt auf den neuen „Giovanni“. Nicht nur, weil es sich hier um die hochgeliebte „Oper der Opern“ handelt; immerhin hatte es einige Inszenierungen in Köln gegeben, angefangen mit dem berühmten Mozart-Zyklus von Altmeister Pierre Ponelle; für den Ex-Intendanten Uwe Eric Laufenberg war die Titelfigur eher ein Snob, auch die Regisseurin Emmanuelle Bastet schaffte keine überzeugende Interpretation trotz des phänomenalen Hauptdarstellers Jean-Sebastien Bou. Und nun unter der Regie von Cecilia Ligorio aus Verona.
Sie hatte bereits mit „Cenerentola“ in Köln eine glänzende Visitenkarte abgegeben und sich somit für weitere Regiearbeiten empfohlen. Und das war eine sehr gute Entscheidung der Intendanz. Denn sie hat die Geschichte aus weiblicher Sicht erzählt (wie sollte sie auch anders); ein einfach netter, wunderbarer Opernabend mit hinreißend guten Sängern und Sängerinnen, ein vorzüglich einstudiertes Gürzenich-Orchester unter dem Ex-Essener GMD Tomáš Netopil, der sehr feinfühlig und hochmusikalisch die Musiker lenkte. Und ferner: die exzellentem Gürzenich-Bläser erfreuten erneut sehr.
Ihm zur Seite stand der exzellente Pianist Luca Marcossi mit dem anspruchsvollen Part per Hammerflügel für die zahlreichen Rezitative. Völlig zu Recht bekam er einen stürmischen Sonderapplaus.
Nun, die Geschichte hinter der Oper ist hinlänglich bekannt. Giovanni ist der Frauenheld per exzellence, er ist hochgradig triebgesteuert und schmeißt sich an alles, was einen Rock trägt. Und kommt auch dadurch zu Tode. Allerdings hier nicht mit der berühmten „Höllenfahrt“, sondern eher harmlos auf dem Tisch, an dem ihn Giovanni den Komtur zur Mahlzeit eingeladen hatte. Trotzdem gab es einige Rückenschauer bei dieser Szene, schon wegen Mozarts aufwühlender Musik.
Die Bühne von Gregorio Zurla imponierte durch große Elemente wie Türen, Wände und Durchlässe, die sich offensichtlich unmotiviert im Raum bewegen – zunächst etwas verwirrend, aber dann erkennt man ihren Sinn: Es ist das Labyrinth des griechischen Minotaurus (und somit des Don Giovanni), der auch als Stiermaske mit im Spiel ist.
Unter den Solisten stachen vor allem Kathrin Zukowski mit ihrem strahlenden, stimmschönen Sopran als Donna Anna, dazu ebenbürtig Valentina Mastrangelo (Donna Elvira) aus dem insgesamt hochqualifizierten Ensemble hervor.
Die Titelfigur sang der Amerikaner Seth Carico, volltönend und szenisch total überzeugend; dieRolle lag ihm offensichtlich sehr. Den Ottavio sang Dimitry Ivanchey, mit schönem Legato und geschmeidigem Tenor. Leider ist seine große Arie „Il mio tesoro“ gestrichen, ebenso wie die Bühnenmusik. Adrian Samppetran imponierte mit der berühmten Registerarie und der Anzahl der verführten Damen aus allen Schichten (die sich auch persönlich zeigten), und erhielt jubelnden Zwischenapplaus (man kennt die Arie halt).
Wolfgang Stefan Schweiger, einer der Kölner Lieblinge, war Masetto, den er mit seinem schönen Bariton sehr variabel sang und vor allem darstellte. Seine Braut Zerlina ist Giulia Montanari, sie hat eine sinnliche Ausstrahlung, sie ist eine hübsche, gewinnende Person, die dazu auch noch prima singen kann.
Auch Christoph Seidl als Komtur machte ein sehr gute Figur, stimmlich wie auch szenisch.
Getanzt wurde auch reichlich, Kostüm-Grundfarbe rot, das Ballett-Ensemble der Oper erfreute in hohem Maße.
Für den insgesamt sehr erfreulichen Opernabend, szenisch und musikalisch prächtig, dankte das völlig ausverkaufte Haus mit jubelndem Applaus.
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