Musik

Ungewöhnliche Besetzung in Honrath : Trio SpiegelBild

 

Konzerteinführung durch den Pianisten Konstantin Zyvagin

Erneut gab es bei den Honrather Konzerten eine ausgefallene und interessante Besetzung. Nach dem „Quartett am Ende der Zeit“ mit Tuba, Klavier, Violine und Saxophon folgte am 11. Oktober 2026 das „Trio SpiegelBild“, bestehend aus Saxofon, Akkordeon und Klavier. Es eröffnet mit seiner außergewöhnlichen Besetzung einen erfrischenden Blick auf klassische Musik und präsentiert berühmte Werke in überraschend neuen Klangfarben. Hier mit den berühmten „Bildern einer Ausstellung“ von Modest Mussorgsky, später orchestriert von Maurice Ravel.

Konstantin Zvyagin (Klavier) und Vadim Baev (Akkordeon) sind Absolventen der renommierten Moskauer “Gnesin Musik-Akademie”:  Nach ihrem Hochschulabschluss im Jahr 2014 zogen beide nach Köln, um ihr Studium an der Hochschule für Musik und Tanz fortzusetzen. Dort begannen sie, als Duo zusammenzuspielen, und lernten während ihres Studiums einen Kommilitonen, den spanischen Saxophonisten Xavier Larsson Paez kennen. Man fand sich 2016 zusammen als Trio “SpiegelBild”, die ungewöhnliche Gruppe konzertierte rasch in Deutschland und im Ausland. Dazu kamen mehrere Tourneen des Trios in Russland. Eine sehr beachtliche Entwicklung; daher kein Wunder, dass die kleine Kirche in Honrath bestens gefüllt war.

Das Trio arrangiert klassische Werke für ihre einzigartige Besetzung, und sucht ebenso Originalwerke zeitgenössischer Komponisten. Spannender Höhepunkt ist ihre Debüt-CD „Sceneries“ beim Label „Spektral“ mit Werken der jungen Komponisten Martin Brenne und Roman Galiev und natürlich den „Bildern“.

Quasi als Amuse Geul, zum Einhören in die ungewöhnliche SpiegelBild-Klangwelt, hatte das Trio vorab Robert Schumanns „Sechs Studien in kanonischer Form“, op. 56, in ihrer eigenen Bearbeitung vorangestellt. Seine depressiven Phasen bekämpfte Schumann damals durch kontrapunktische Studien. Dabei entstand u.a das Werk für Pedalflügel op. 56. Er selbst hatte vermutet, dass das Komponieren dieser Musik bei ihm eine therapeutische Wirkung gehabt habe. Das sehr interessante sechssätzige Werk, ursprünglich für Klavier und zusätzliches Pedalwerk, hört man heutzutage kaum mehr, schon in Ermangelung eines funktionierenden Pedalflügels. Von dem das einzige Exemplar in einem Wiener Museum steht.

Versehentlich als Video aufgenommen

Das Stück eignet sich aber hervorragend für die Bearbeitung mit diversen Instrumenten, nur mit Streichern, mit Bläsern, gemischt, auf der Orgel oder der Gitarre. Daher konnte das Trio hier wunderbar ihre originelle und subtile Bearbeitungskunst demonstrieren, ein vergnüglicher Einstieg in den Konzertabend.

Natürlich durfte auch der Tango nicht fehlen; gespielt wurde die „Suite del Ángel“ von Astor Piazzolla. Sie ist ein berühmter Zyklus aus Tango Nuevo-Stücken, der das Schicksal eines Engels in Buenos Aires erzählt. Das Werk im Einzelnen: Milonga del Angel (Tanzvorführung), Muerte del Ángel (der Tod), und zum Schluss Resurrección  (die Auferstehung des Engels), ein hoffnungsvoller, energiegeladener Abschluss.

Erneut präsentierte das Trio neue Farben in der Tango-Suite, in die Piazzolla Einflüsse von Stravinsky, Hindemith und Bartok ebenso eingebracht hat wie den Tango Nuevo. In einem dynamisch ausgekosteten, explosiven Gemisch und zu den akzentuierten Klängen wurde sogar bisweilen auf Piano und Akkordeon geklopft, was den Rhythmus stärker betonte.

Zärtlich wanderte zuletzt eine wehmütige Melodie vom Saxofon zum Akkordeon und Klavier, leise verklang das Trio, ehe der jubelnde Pausenapplaus einsetzte.

 

Nach der Pause dann die „Bilder einer Ausstellung“. Zur Vorgeschichte: Mussorgsky war befreundet mit dem jung verstorbenen Maler Victor Hartmann, dessen Bilder Mussorgski auf einer Gedächtnisausstellung gesehen hatte. Ihm zu Ehren komponierte er den großartigen Klavierzyklus „Bilder einer Ausstellung“, in dem er die Bilder, von denen einige verschollen sind, musikalisch beschrieb. Eine echte Programm-Musik also. Der Komponisten Maurice Ravel wollte später den Klavier-Zyklus bekannter machen und schrieb die berühmte Orchesterfassung. Allerdings ging dabei die intime Seite der vielschichtigen russischen Seele etwas verloren, stattdessen entstand aber ein tolles Stück, welches allerdings von Klang-Optimisten gerne zum Testen ihrer HiFi-Musikanlagen verwendet wird

Eine exzellente Klavierversion hatte Horowitz nach sehr langer Vorbereitung am 23.4.1951 in der Carnegie Hall eingespielt, sie gilt als Meilenstein der Klaviergeschichte. Der Schreiber dieser Zeilen hat diese noch erhältliche Aufnahme bei einem privaten Musikseminar erleben können – mit spontanem Applaus aller Zuhörer für eine simple Schallplatte! Er besitzt auch noch ein wohl behütetes Faksimile der „Bilder“ von  Mussorgsky zusammen mit den Abbildungen von Hartmanns Gemälden.

Wunderbar das wehmütige Saxofon im „alten Schloss“ mit dem verträumten Auftritt des Gnomen. Und köstlich lässt das Sopransaxofon die Kinder in den Tuilerien wuseln und die Küken piepsen, spannend prallten der reiche und der arme Jude aufeinander, zum kühnen Hymnus wurde zuletzt das „Große Tor von Kiew“, eine heldenhafte Apotheose, die heute wie eine Hommage an eine zerstörte Welt anmutet. Man sah vielen der Zuhörer an, dass ihnen diese Musik gut bekannt war.

https://www.youtube.com/watch?v=JEekZq4RPic

Nach einer kleinen Zugabe – natürlich ein Tango von Piazolla – ging es wie immer zusammen mit den Musikern ins nahgelegene Peter-Lemmer-Gemeindehaus, wo diverse Leckereien und alkoholische Getränke für angeregte Gespräche warteten. Jedes Mal ein schöner, von Musikern und Publikum sehr geschätzter Ausklang.

©Text und Fotos von Michael Cramer

Das nächste Konzert in Honrath: 26. Dezember 2026, 17:00

Franz Trio

Avigail Bushakevitz Violine
Ernst-Martin Schmidt Viola
Constance Ricard Violoncello

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