Große Hits und viele Möbel – ABBA und Ikea
Es ist eine hübsche Idee, zwei Jubiläen zu einer musikalischen Komödie zu mixen: Die schwedische Popband ABBA hat vor 50 Jahren den Grand-Prix eingefahren, und IKEA, der Möbelriese aus demselben Land, ist 50 Jahre in Deutschland erfolgreich. Die Show tourt durch Deutschland als „ABBA Waterloo im Bällebad“, analog zur „Aufbewahrung“ der kleinen Kinder einkaufenden Eltern; ob Waterloo, die letzte Schlacht Napoleons, dazu passt, sei dahingestellt. Für die fröhlichen Rheinländer wurde stattdessen nur „Alaaf“ getitelt, was sich ja so ähnlich anfühlt.
William Dane, Autor des Stückes, hat das Kunststück fertiggebracht, um die größten ABBA-Hits eine spielbare Geschichte zu erdenken (bzw. umgekehrt). Als ehemaliger Intendant des Kammertheaters Karlsruhe spielt und schreibt er weiterhin, und hat auch hier das Stück verfasst und eingerichtet. Sehr erfolgreich, muss man ehrlich sagen.
Natürlich spielt alles in einer IKEA Filiale, mit liebevoll durchgestyltem Sortiment und lustig mitsingenden Plüschkissen und Produkten mit Preisschildern. Der erfolglose Musical Darsteller Klaus kommt hochmotiviert zu seiner neuen Arbeitsstelle und trifft dort auf die Kollegin Anke, die widerwillig in der Kinderbetreuung Småland arbeitet, obwohl sie die Kleinen überhaupt nicht mag. Filialleiterin Inka ist die herrische Filialleiterin, die das Jubiläum vorbereiten soll; sie hat sich eigens eine pompöse Frisur legen lassen und hofft auf einen ordentlichen Karrieresprung. Und dann gibt es noch einen Kunden; Erwin hat sich von seiner Frau in der Fundgrube absetzen lassen und findet einfach den Ausgang nicht. Natürlich passiert so allerlei, etwa wenn Anke ein unfreiwilliges Bad im Bällebad nimmt oder wenn die stark ondulierten Haare von Anke zu Berge stehen. Man muss schon gut aufpassen, um die vielen szenischen und sprachlichen Gags auch genießen zu können.
Der Beamer für das Fest, mit dem die ABBA-Avatare (kürzer: Abba-Tare) dargestellt werden sollen, ist bei einem Autounfall zerstört worden, und die Kohle für das Ikea-Restaurant hat Inka veruntreut – ganz schön blöde.
Gemeinsam beschließt man nun, das Jubiläum in Eigenregie zu feiern. Nur, was zieht man an? Klaus hat die Idee, die Kostüme aus Ikea-Tüten zusammenzutackern. Was auch echt klasse aussieht. Inzwischen hat Erwin entdeckt, dass Inka seine Ex-Liebe ist, und er outet sich, dass ihn seine dominante Mutter im Bio-Unterricht beim Thema „Bienchen und Blümchen“ nicht hat in die Schule gehen lassen. Gründliche Nachhilfe gibt´s dann in der hauseigenen Bettenabteilung. Die vielen erotischen Anspielungen im Stück sind sehr nett, aber durchaus noch jugendfrei. Etwas komplizierter wird es dann, als es zwischen Anke und Klaus sichtbar knistert, und die Mama von Erwin dem unerfahrenen Filius befiehlt, alles stehen und liegen und lassen. Aber klar gibt es ein „lieto fine“, einen glücklichen Ausgang: Erwin kommt nun doch, das Fest wird ein voller Erfolg.
Der Knüller ist die Musik, live gesungen und mit Orchester vom Band. Fällt überhaupt nicht auf. Da passt alles nicht nur genau zusammen, man hört wirklich professionelle Stimmen, fröhlich und engagiert. Kein Wunder, dass das Publikum begeistert mitsang und klatschte. Die Lieder passen perfekt zur Story, hier eine Auswahl von Kiki, beständig mitsingende Tochter des Rezensenten: Karriereplanung von Inka (Money Money), Überzeugungsarbeit, dass Anke tanzen kann (Dancing Queen), Anspielung auf Erwins Mutter (Mama Mia), eine Badematte namens Fernando (Tanz mit vier gleichen Matten), Aufflammen von Inkas Verliebtheit (Angel Eyes),Klaus´s Geburtstag (Happy New Year), der Telefonanruf von Mama (Ring Ring), und, grandios gesungen mit sehr langem Applaus, die temporäre Entscheidung von Erwin für seine Mutter (The Winner takes it all).
Für das hoch engagierte Kölner Publikum mit etlichen netten Zwischenbemerkungen gibt es natürlich auch noch die Erwähnungen von Willy Millowitsch, den Höhnern und dem Hennes vom 1. FCK (allerdings nicht real).
Das große Finale nun mit den Sängern als ABBA-Tare mit dem Klassiker „Waterloo“, stilecht mit Klamotten, Perücken und Zubehör, natürlich in schwedischen Farben, optisch und musikalisch ein Genuss. Da reißt es das Publikum total von den Stühlen, mit Rückenschauern, mit minutenlangem Jubeln, auch bei der Zugabe. Ganz großes Kompliment für die sängerischen Leistungen von Johann Anzenberger, Marco Fahrland-Jadue, Carina Smerdon und Sina Schulz.
Da könnte man doch glatt noch einmal reingehen; Aufführungen bis zum 9. August, Ticketes unter http://www.volksbuehne-rudolfplatz.de/
Fotos von ©Nora Zimmer
Besuchte Aufführung am 24.7. 26
Musikalische Leitung: Jörg Andreas Hilger
Choreografie: Patrick Stauf
Bühnenbild: Florian Angerer
Kostüme: Mihaela Schönfelde






