Der wirklich letzte Blick – das WRM schließt für länger
Wer lange nicht, oder viel zu selten, oder etwa noch nie in einem der international bedeutesten Kölner Museen war, muss sich jetzt sputen, denn das „Wallraf-Richard-Museum“ wird ab 3. August „erneuert“. Wie bitte ? Ja wirklich, der Bau von 1961 muss nach vielen Jahren, 50 großen Sonderausstellungen und vier Millionen Besuchern „ertüchtigt“ werden, wie die Architekten es nennen.
Und muss dazu über längere Zeit für eine Generalinstandsetzung geschlossen werden, voraussichtlich bis Ende 2028. Zeitgleich soll auf dem Nachbargrundstück des früheren Kaufhauses Kutz endlich der lang versprochene Erweiterungsbau realisiert werden, vorgesehen für die „Sammlung Corboud“. Inzwischen sind allerdings der Schweizer Stifter Gerhard Corboud und seine Frau Marisol, sie gebürtig in Köln, verstorben. Sehr peinlich für die Stadt. Aber immerhin ist seine Stiftung in den Namen des Museums integriert worden.
Wir erinnern uns: Für die große Bilderspende des Kunstmäzens Peter Ludwig, u.a. mit sehr vielen Picasso-Werken, sollte das zu kleine Wallraf-Richard-Museum, damals noch unter einem Dach mit dem Museum Ludwig, umziehen. Damit hatte Peter Ludwig die Stadt Köln schon ein wenig erpresst. Das neue Museum wurde, nach langer Suche nach einem geeigneten Grundstück, vom Stararchitekt Oswald Mathias Ungers (1926 – 2007) entworfen und am 19. Januar 2001 feierlich eingeweiht.
Der gemütliche Bummel des Autors durch die drei Etagen des Museums vertieft erneut die Erkenntnis, welch großartige Werke hier hängen, aus dem Mittelalter, dem Barock und der Neuzeit.
Angefangen mit der „Muttergottes in der Rosenlaube“ von Stefan Lochner, eines der bedeutendsten Werke der Deutschen Gotik, hier in einer atemberaubenden Präsentation.
Dann das wichtigste Gemälde der Barocksammlung, das Selbstbildnis von Rembrandt.
Dazu kommt „Juno und Argus“ von Rubens, monumentales Meisterwerk des flämischen Barock; diese drei Bilder sind die absoluten Höhepunkte des Sammlung.
Das Wallraf besitzt die größte Anzahl impressionistischer Kunst in Deutschland mit Werken von Claude Monet, Eduard Monet, Renoir und Pisarro. Die Werke von van Gogh, Cézanne und Gaugin markieren dann den Übergang zur Moderne.
Man muss kein Kunstexperte sein, um jedes Bild zuordnen können, genauso wie man Musik genießen kann, ohne Dur und Moll zu unterscheiden, ohne Mozart oder Vivaldi zu erkennen. Auch ein Glas Wein kann sehr gut schmecken, ohne jegliche Kenntnis der Reben oder der Herkunft. Daher ist der aufmerksame Spaziergang durch das Museum vor allem dem weniger Informierten sehr anzuraten. Natürlich gibt es einen Audioführer zur Vertiefung.
Aber alles nur noch bis zum 3. August diesen Jahres. Und ob die veranschlagte Zeit für die Instandsetzung und den Anbau reicht, das Wissen in der diesbezüglich heftig gebeutelten Stadt Köln weder die beauftragten Architekten noch der Stadtrat. Aber vielleicht die heiligen drei Könige, die damals wie heute der Stadt einen riesigen Pilgeransturm, heutzutage durch Touristen ersetzt, beschert haben. Ob der wegen des neuen Eintrittsgeldes in den Dom so bleibt, wird man sehen.
Also, hingehen und in vollen Zügen einen „letzten Blick“ genießen, wie es auf dem Poster heißt. Am 1. Juni, dem Geburtstag des Museums, ist freier Eintritt; für Kunstinteressierte gibt es zahlreiche Vorträge – auch kostenlos.
Freitag, 31. Juli, ab 20 Uhr „Abschiedsparty im Wallraf“
Samstag und Sonntag, 1. und 2.8.26, ab 10 Uhr, Das letzte Wochenende im Wallraf: Überraschung zum Abschied
Alle Details unter https://www.wallraf.museum

© Fotos und Text: Michael Cramer











