Musik

Silbernes Jubiläum der Odenthaler Kammerkonzerte

Die Millionenstadt Köln bietet ein äußerst reichhaltiges Musikprogramm; neben den Bigplayern, wie die Philharmonie, dem WDR oder dem Deutschlandfunk, gibt es auch zahlreiche kleine Gruppierungen – man könnte jeden Abend mehrere sehr qualifizierte Konzerte erleben. Viele Vereine organisieren auf ehrenamtlicher Basis solche Konzertveranstaltungen, allerdings eher in der Peripherie der Stadt, wo die Zahl anderer Veranstalter geringer ist. Da gibt es z.B. in Bensberg den Verein „Galerie und Schloss“, in Rösrath den Kulturverein im Schloss Eulenbroich oder den „Altenberger Kultursommer“. Unbestrittener Klassiker war der Verein „Kunst und Kultur in der Burg Zweiffel“ in Herrenstrunden neben Bergisch Gladbach. Der wurde allerdings 2003 nach 14 Jahren aufgelöst, da die Burgbesitzer Ingrid und Dr. Ulrich Schaeffer ihre Burg aus Altersgründen verkaufen wollten. Beim Abschiedskonzert mit vielen früheren Künstlern hielt der inzwischen verstorbene Bestatter Fritz Roth die köstliche wie ergreifende Trauerrede über den soeben verschiedenen Verein, hier nachzulesen:
Fraglich ist nur, wie lange solche Gruppen durchhalten. Zum einen altert die Struktur, es kommen zu wenig junge Leute nach;  zum anderen ist das Internet eine riesige Konkurrenz zu „Life“-Erlebnissen, da die Kids heute alles und rund um die Uhr streamen können. Daher gilt es, vom Elternhaus Verständnis für „echte“ Musikerlebnisse zu vermitteln.
Jüngst haben zwei Musikvereine einen denkwürdigen „Geburtstag“ gefeiert: Das silberne Jubiläum des Vereins „Odenthaler Kammerkonzerte“, benachbart zu Bergisch Gladbach, und kurz vorher im Juni 2022 der Verein „Musik in der Kirche Honrath“ mit stolzen 40 Jahren https://www.kulturcram.de/2022/06/40-jahre-und-kein-bisschen-leise/
Für das Jubiläumskonzert – 25 Jahre Odenthaler Kammerkonzerte mit 125 Konzerten – musste schon etwas Besonderes her. Dazu gehörten zwei herausragende Instrumente, eine Stradivari von 1717 und ein berühmtes Cello von 1855.  Und natürlich die passenden Musiker: Raphaela Gomes, die als Kind Cello spielender Eltern ganz früh den passenden Bogen in die Hand gedrückt bekam, und die bis heute und mit zahlreichen Preisen ausgestattet eine glanzvolle internationale Karriere hinlegt. Ihr Instrument, eine sehr wertvolle Sponsoren-Leihgabe, schien manchmal fast zu sprechen, zu singen, zu jubeln, zu weinen in dem äußerst vielseitigen Programm.
Die junge Musikerin ist eine Kollegin von Georg Heimbach, Cellist im Kölner Gürzenichorchester, Gründer der Odenthaler Kammerkonzertreihe und seither ihr musikalischer Leiter – was er auch bis zum Goldenen Jubiläum bleiben will, wie er dem Rezensenten verschmitzt gestand. Durch seine vielfältigen Kontakte haben über die Jahre immer wieder hochkarätige Künstler den Weg ins kleine Odenthal gefunden, so auch im Jubiläumskonzert am 20. November. Toll für die vielen Mitglieder des Vereins, für klassische Musik nicht immer bis Köln fahren zu müssen.
Das Konzert basiert auf “Imagination“, einer jüngst erschienenen CD mit zwei weiteren herausragenden Musikern, dem Pianisten Julian Riehm und dem Geiger Daniel Dodds. Riehm ist seit 10 Jahren Duo-Partner der Cellistin, ist solistisch und als Kammermusiker weltweit unterwegs.  Und zeigte in Odenthal seine verblüffenden pianistischen Fähigkeiten, so im „Gnomenreigen“ von Paul Juan (1872-1940), eigentlich ein Stück für Klavier solo. Charmant berichtete Raphaela in ihrer leider seltenen Moderation, dass man die Corona-Pause genutzt habe, um mal etwas ganz anderes einzustudieren. Und so verband sich ihr satter Cello-Ton mit den flirrenden Anschlägen des Klaviers. In „Poème“ von Franz Liszt zeigte der Geiger Daniel Dodds seine Meisterschaft und den berückenden Klang seiner Stradivari. Auch er ist mit vielen Konzerten unter berühmten Dirigenten unterwegs, leitet das Musikfestival Luzern und unterrichtet an der dortigen Musikhochschule.
v.l. Landrat Santelmann, Charlotte Loesch, Georg Heimbach

 

Nach einer charmanten Begrüßung durch die Kulturreferentin des Kreises Charlotte Loesch  und in Anwesenheit von Landrat Stephan Santelmann und der neuen Vorsitzenden Stephanie Meuter www.kulturspiegelodenthal.de  begann das vielseitige Konzert mit Schumanns „Märchenerzählungen“; hier zeigte das Trio gleich zu Anfang seine Meisterschaft in subtiler Musikalität und technischer Brillanz und nahm das ausverkaufte Haus mit auf die Reise durch 200 Jahre Europäische Musik. Bekannte Namen, aber weniger bekannte Stücke wie die „Märchenstunde“ von Margarethe Schweikart, der „Zauberkreis“ von Fanny Hensel und die „Mythen“ von Karol Szymanowsky  – mal als Trio und mal mit einem der beiden Streicher und Klavier – waren eine charmante Mischung. In die Pause entlassen wurden die begeisterten Zuhörer dann mit einem Ohrwurm, dem berühmten  Trio aus Mendelssohn-Bartholdys „Sommernachtstraum“.
Ravels „Ma mère lòye“ ist eigentlich ein Stück für Klavier zu 4 Händen, es sind Kindermärchen, hier mit dem Trio reizvoll dargeboten. Auch der „Gnomenreigen“ von Franz Liszt gilt als hoch virtuoses, technisch sehr anspruchsvolles Charakterstück, ist aber eigentlich eine Konzertetüde für Klavier und hier sehr entzückend umgeschrieben für das Trio. Es ist schon sehr interessant, bekannte Musiker im Konzert zum Anfassen nah zu haben, welche die Zuhörer mit Tschaikowskys „Dornröschenwalzer“ nach gut 2 Stunden und einer Zugabe, dem „Abendsegen“ aus Humperdincks „Händel und Gretel“ in den herbstlichen Regen entließen. Allerdings erst nach einer Party mit reichlich Getränken und Fingerfood in der Mensa des Schulzentrums, und den Musikern für ein lockeres Gespräch und Autogramme auf die angebotenen CDs. Dank an Georg Heimbach für 25 Jahre ehrenamtliche Betreuung der Odenthaler Kammerkonzerte und ein Prost auf die kommenden Highlights im Bergischen Land.
Hautnaher Smalltalk nach dem Konzert

Rezension von Michael Cramer

Fotos: S. Meuter und M. Cramer

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