Kunst

Römisches Schatzkästchen im Kulturzentrum Neumarkt

Kleiner als am Roncalliplatz, aber eigentlich viel feiner

 

Text und Fotos: Michael Cramer

Nein, das Poblicius-Grabmal musste im Museum bleiben, trotz der Generalsanierung des Hauses. Wer sollte das denn auch schleppen ? Und auch das weltberühmte Dionysos-Mosaik, Speisezimmer eines reichen Römers um 230 nach Christus, auf dem – geschützt durch eine dicke Acrylglas-Platte – beim Weltwirtschaftsgipfel 1999 die Staatsmänner, darunter Bill Clinton, tafeln durften. Denn es war immer schon an diesem Ort und ist nicht transportabel – zufällig entdeckt im 2. Weltkrieg beim Ausheben eines Luftschutzbunkers. Aber immerhin können beide Objekte während der veranschlagten 5 Jahre für die Instandsetzung des mit 40 Jahren und nach 20 Millionen internationalen Besuchern schon arg betagte Museum in Kleingruppen besichtigt werden. Nur – mit den 5 Jahren, da muss man sehr vorsichtig sein, Negativbeispiele, ohne hier Namen nennen zu wollen, gibt es in Köln reichlich.

Die Begrüßungsphalanx im Foyer

Das „Maison Belge“, das Belgische Haus von 1960, ist ein denkmalgeschütztes architektonisches Kleinod und war Dienststelle für das Konsulat, erstklassiges Restaurant für die Offiziere der damals in Köln stationierten Truppenteile und diente mit einem wirklich wunderhübschen kleinen Konzertsaal der kulturbeflissenen Kölner Bevölkerung. Das alles ist Vergangenheit, der Staat verkaufte das Gebäude an einen privaten Investor, der daraus glücklicherweise kein schnödes Renditeobjekt machte, sondern dem Haus neuen Glanz im historischen Gewand spendierte. Und da passte es hervorragend, dass das RGM, das „Römisch-Germanische Museum“ hier sein Interim-Lager aufschlagen durfte.

Pressekonferenz mit dem “Klassiker”, der Römer-Illustrierten. Vor ihm die Neuauflage in kleinerem Format

Mit immerhin 1000 Objekten auf 1000 Quadratmetern, wie Museumschef Prof. Dr. Marcus Trier auf der Pressekonferenz am 14.11.2019 zusammen mit der Kulturdezernentin Susanne Laugwitz-Aulbach entspannt berichten konnte, sozusagen „The best of des RGM“; mit einem Viertel des Bestandes und jetzt Schatzkästchen im „Kulturzentrum Neumarkt“, gegenüber dem Rautenstrauch-Joest-  und dem Schnütgenmuseum, der Kunststation St. Peter, der Stadtbibliothek, dem Literaturhaus und benachbart mit namhaften Kunsthandlungen. Auch „KammerMusikKöln“ https://www.kulturcram.de/2019/11/kammermusik-koeln-im-wiedereroeffneten-belgischen-haus/  ist in den Saal zurückgekehrt, und die Macher  von „Im Zentrum Lied“ scharren ebenfalls quasi mit den Hufen und Stimmbändern https://www.imzentrumlied.de/. „Viele Schätze haben wir neu entdeckt“ so Trier, da der optische Zugang zu den überwiegend in Köln ausgebuddelten Schätzen viel einfacher geworden ist. Wie so oft: „Weniger ist manchmal mehr“.

Zwei große Räume konnten eingerichtet werden, verbunden durch ein entzückendes denkmalgeschütztes Treppenhaus, dazu ein reizvolles Foyer, wo schon einmal  – quasi als „amuse gueule“ – von außen und innen kostenlos geschnuppert werden kann, und zwar 24 Stunden an 365 Tagen. Die Ausstellung beginnt sozusagen bereits auf dem Bürgersteig, die beleuchteten Fenster sind ein Spot in die Römerzeit. Immerhin 100 antike Schrein-Denkmäler bis zu 1500 kg mussten gewuchtet werden, wo der Chef auch selbst kräftig Hand angelegt hat. Im hinteren Raum finden sich Objekte aus allen wichtigen Themen wie Militär, Handel, Hafen, Handwerk, Religion und Medizin, zu letzterem findet sich in Köln der intensivste Niederschlag im gesamten römischen Imperium. In der Altenburg wurde gerade ein ärztliches Präzisionsbesteck ausgegraben.

Einmalig: Mehrfarbige Römische Glaskunst, im Hintergrund das Rautenstrauch-Museum

Und die Pinselaufschriften auf den zahlreichen Amphoren belegen die Warenströme: Wein aus Kreta, Oliven aus Tunesien, Leckereien aus Tunesien, erkennbare wirtschaftspolitische Zusammenhänge. Im ehemaligen Spitzenrestaurant „Club Memeling“ herrscht inzwischen zwar Nulldiät, aber dafür können sich die Augen sattsehen an 120 Spitzenstücken der Sammlung, darunter das einzigartige mehrfarbige Diatretglas auf einem monolithischen Sockel. Der frühere Museumsschef Otto Doppelfeld hatte es am 1. April 1960 entdeckt, es war kein Aprilscherz, sondern eine riesige Sensation. Dazu gibt es die berühmten Glaspantoffeln und spätantiken Trachtenschmuck zu sehen, alles viel mehr auf Augenhöhe, gut beleuchtet und beschriftet.

Marcus Trier: „Wir sind stolz, in diesem Haus zu sein. Wenn auch der Umzug viel Kraft gekostet hat, hatten wir viel Freude beim Umräumen und haben immer wieder gestaunt über unsere Objekte“. Und vielleicht auch eine interessante Vorlage gefunden für den Umzug zurück ins Stammhaus in ferner Zukunft.

Zwei Kölner Spitzen-Schätze: Prof. Trier und das Diatretglas

“Das „Belgische Haus“ ist  ein Haus für die Kölner, unsere Archäologie ein Werbeträger für die Stadt Köln” (Prof. Trier). Es ist – außer Dienstag (!) – täglich von 10:00-18:00 geöffnet, Donnerstag bis 22:00, genau wie das Museum Kolumba. Eine sehr informative „Römer-Illustrierte“, Nachfolgerin der ersten Serie mit 250.000 verkauften Exemplaren, ist für 9.90 € im Museumsshop erhältlich.

Gehen Sie hin – Eintritt für nur 6 € ein echter Schnäppchenpreis. Gleich nebenan im Hotel “Motel One” gibt es ein preisgekröntes Parkhaus, und an der Ecke die  Traditionskneipe “Bei d´r Tant”.

http://www.roemisch-germanisches-museum.de/Veranstaltungen

Der Blick auf die andere Straßenseite zum Rautenstrauch-Museum

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