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40 Jahre Neubau des Kölner Ostasiatischen Museums und Jubiläumsausstellung mit Neuerwerbungen

 

 

Eröffnung der Jubiläumsausstellung am 16.11.2018

Text und Fotos von Michael Cramer

Ganz locker und unter dem Gelächter der Auditoriums in der übervollen Feierstunde parlierte Dr. Adele Schlombs, seit 1991 Direktorin des 1977 neu gebauten Museums für Ostasiatische Kunst, über das Jubiläum zum 40jährigen Bestehen ihres Hauses: „Das ist eigentlich kein Grund zum Feiern – aber in 10 Jahren habe ich keine Chance mehr dazu“. Die Feier sei ihr voll gegönnt, leitet sie doch sehr erfolgreich das MOK seit 27 Jahren, immer mit tollen Ideen und Plänen, aber immer auch mit sehr knappen Kassen hat sie etliche große Ausstellungen gestemmt, Blockbuster, deren große Poster zwei Wände der Ausstellung zieren. Sie hatte es geschafft, so die Kulturdezernentin Susanne Laugwitz-Aulbach in ihrer charmanten Begrüßungsansprache, die fertigen Pläne für eine unterirdische Museumserweiterung einzustampfen; so bleibt das inzwischen denkmalgeschützte Haus erhalten ohne jegliche Verfremdung, mit ebenerdigem Rundgang um die Miniaturlandschaft herum, mit Blick das benachbarte Japanische Kulturinstitut, die Tageszeit und das aktuelle Wetter. Die Liebeserklärung der Dezernentin an dieses Museum mit dem japanischen Garten und dem zeitlosen Bau des Japaners Kunio Maekawa, Schüler von Le Corbusier, mit vielfältigen Sichtachsen und der unmittelbaren Nähe zum Aachener Weiher: „Die Kunst und der Ort der Kunst sollten eins sein“ in dieser Perle am Aachener Weiher.

Poster einer älteren Ausstellung, Geschenk für die Kulturdezernentin Laugwitz-Aulbach (rechts)

Zu Recht beklagte Dr. Schlombs das Aus für das Berliner Ostasien-Museum, dessen Bestände mit der Pensionierung des Direktors vom Humbold-Forum übernommen wurden, Ende einer großen Tradition; aber gleichzeitig ist dieses Kölner Haus damit das einzig verbleibende Ostasienmuseum in Deutschland. Schlombs ermahnte die Landesregierung, sich stärker für dieses singuläre Museum zu engagieren. Wo man in den vergangenen Jahren nicht nur geklotzt hat, sondern neben vielen Neuerwerbungen diese Sammlung auch „von innen“ erweitert hat mit neu entdeckten Schätzen aus dem Depot und Objekten von vielen privaten Spendern. Namentlich dankt sie Max Oppenhoff und der Ludwig-Stiftung und vergisst nicht die Sammler Adolf und Frieda Fischer, mit deren Objekten das Museum 1909 gegründet wurde. Nach Kriegszerstörung – die Objekte waren zuvor erfolgreich ausgelagert worden – wurden die Objekte unter dem Direktor Werner Speiser aus Kisten heraus verliehen bis zum Bezug des heutigen Neubaus.

Prof. Dr. Helwig Schmidt-Glinzter bei seinem Festvortrag

Ausgestellt sind die Neuerwerbungen der letzten 40 Jahre, Plastik und Malerei, Kalligrafie, kostbare Kleidung, Bronzeglocken, übergroße Figuren, kunstvolle Alltagsgegenstände und ein imposanter Gelehrtenschreibtisch aus dem 17. Jahrhundert, alles thematisch und übersichtlich präsentiert. Dazu viele kleine Objekte wie Fotoalben mit Bildern von Folter und Hinrichtungen. Erfassen kann man das alles kaum bei einem einzigen Besuch des Museums. Den langen Festvortrag zur Eröffnung hielt der Sinologe Prof. Dr. Helwig Schmidt-Glinzter, ehemaliger Direktor der Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel und jetzt Direktor des Chinazentrums in  Tübingen. Unter dem Thema „Ein Glücksfall am Aachener Weiher – zur Zukunft einer geordneten Welt“ berichtete er eindrucksvoll von den Reisen der beiden Gründer, der Besonderheit Ostasien, und von der Notwendigkeit des Kontakts mit Menschen aus den Regionen, woher unsere Objekte stammen. Diese haben zumeist eine lange Wanderungsgeschichte hinter sich, waren ihrem Ursprungskontext entzogen oder auch nur Handelsware für den Export. Er lobte den Mut der Kölner zu einem Bauwerk aus in Japan gebrannten Ziegeln, welches den Geist der Neugier und die Anerkennung von Fremdem atmet. Und welches nicht stehen geblieben ist, sondern weiter gesammelt hat, nicht zuletzt getragen von Mäzenen; das ostasiatische Museum ist daher ein unverwechselbarer Teil der Kölner Identität. Sein sehr umfassender und informativer Vortrag wird demnächst in erweiterter Form als Buch bei Matthes & Seitz in Berlin erscheinen.

“Privatführung” durch die Chefin für Prof. Schmidt-Glinzter

Sinnbildlich für die Ausstellung „Alles unter dem Himmel“ ist der „Goldjunge“, eine glänzende Figur aus der Sammlung Christel und Dieter Schürzenberger, welche den Besucher begrüßt. Er ist Teil einer 650 Objekte umfassenden Sammlung, die als Stiftung an das MOK gehen soll. Und stellt den chinesischen Unsterblichen Liu Hai dar, Bote des Gottes für den Reichtum, mit einem Reif an Goldmünzen an der Hand – quasi ein Hoffnungsträger, was für ein finanziell gebeuteltes Museum ja nicht ganz schlecht ist. Warten wir es mal ab.

Hier der Link zum Artikel in Choices: https://www.choices.de/mok-jubilaeum

 

 

 

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