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Orpheus in der Unterwelt – prachtvolle Produktion in der Kölner Kinderoper

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Qualmende Klappen in die Unterwelt

Uraufführung in der Kinderoper Köln am 13. Juni 2013

Von Michael Cramer  – Fotos: © Matthias Baus

Szenenfoto

Welch ein Segen – die Kölner Oper hat wieder eine prachtvolle Aufführung von Offenbachs Meister-Operette “Orpheus in der Unterwelt” im Repertoire. Acht Jahre nach dem Desaster und historischem Kölner Tiefpunkt mit dieser bereits nach wenigen Aufführung abgesetzten Inszenierung (einer der Sargnägel für den damaligen Intendanten Christoph Dammann) hat sich die Kinderoper unter der Regie ihrer Chefin Elena Tzavara des Stoffs angenommen – und wie!

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Die gesellschaftskritische Parodie antiker Mythen mag selbst für Erwachsene schon ein wenig kompliziert sein, und erst recht für Kinder – wie ausgeschrieben – ab acht Jahren. Aber die Geschichte um Götter und Menschen, um Liebe, Ehestreit, Entführung und Intrige ist so spannend und optisch vielfältig und kindgerecht inszeniert, dass selbst die ganz Kleinen gebannt bei der Sache waren. Das unter anderem, weil der beliebte TV-Jugend-Moderator Ralph-Caspers („Wissen mach Ah“) als “öffentliche Meinung” und spiritus rector im karierten Sakko die Geschichte mächtig und quirlig vorantreibt und durch Olymp und Unterwelt führt – bis zum typisch neuzeitlichen Ende; aber davon später mehr.

Das Oval des Alten Pfandhauses war eingehüllt in rosa-graue Wolken-Vorhänge, die hochgezogen weitere Spielorte freigaben. In der Arena ein silberglänzender Steg mit allerlei geheimnisvollen und heftig qualmenden Klappen und einem Fenster als Zugänge in die besagte Unterwelt. Der Götterhimmel öffnete sich unter der Musiker-Empore, und natürlich gab es einen großen Fernseher für die “öffentliche Meinung”. Und wie es sich für eine echte Operette gehört, durften auch die Nummern-Girls in 20er-Jahre-Outfit nicht fehlen.

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Orpheus (Juraj Hollý) als stimmgewaltiger Stehgeiger a la André Rieu mit Gummi-Violine will seine Frau Eurydike (Erika Simons) an den langschwänzigen Teufel Pluto im Schafspelz (Leonard Bernhard) loswerden, aber das passt der „Öffentlichen Meinung“ ganz und gar nicht. Im Götterhimmel schiebt eine köstlich gewandete Schar laszive Langeweile, informiert vom wunderbar dezent schwulen Merkur (Marcelo de Souza Felix) und aufgemuntert über die Entführungsaktion von Eurydike, die auf Befehl von langbärtigen Göttervater Jupiter (Lucas Singer) in der Unterwelt versteckt werden soll. Hier wartet der schwerhörige und vergessliche Hans Styx als Prinz von Arkadien (köstlich das Urgestein Werner Sindemanns im Popsänger-Look), Jupiter verwandelt sich in eine Fliege mit mächtigem blau schimmernden Panzer und schlüpft durch das Schlüsselloch, um Eurydike während des Höllen-Cancans zu entführen. Pluto erwischt jedoch die beiden; auf Vermittlung der Öffentlichen Meinung darf Orpheus seine Eurydike auf die Erde zurückführen – aber nur, wenn er sich nicht nach ihr umdreht. Was er natürlich nicht schafft. Aber auch hier gibt es eine Lösung: Eurydike bekommt eine eigene Fernsehshow, ein heutzutage durchaus gängiger Ablauf bei Menschen, nach denen man sich auf der Straße umdreht. Und dem heulenden Orpheus bleibt nur noch die Fernbedienung.

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Uwe Sochaczewsky hat die Musik und Elena Tzavara den Text kindgerecht auf eine Stunde reduziert, ohne die Handlung zu zerstückeln; das geschrumpfte Gürzenichorchester spielt engagiert und launig unter Rainer Mühlbach, dem neuen musikalischen Chef von Kinderoper und Opernstudio. Aus dem Studio stammen überwiegend auch die Sänger, die hier ein hervorragendes und anspruchsvolles Podium vorfinden, um den sängerischen und darstellerischen Alltag zu trainieren. Und um einfach auch Spaß zu haben, was man durchgängig merkt; alle zeichnet eine hohe Gesangsgüte und Spielfreude aus. Dazu passen die originelle Bühne, die prachtvoll-witzigen Kostüme und die skurrilen Accessoires von Elisabeth Vogetseder, die bereits zahlreiche Produktionen der Kinderoper erfolgreich ausstaffiert hat.


FAZIT

Eine wunderbar bunte, originelle, spannende und durchaus auch kindgerechte Adaptation der berühmten Operette. Ebenfalls für Eltern und Großeltern sehr empfehlenswert.


Opéra bouffon in zwei Akten von Jacques Offenbach
Musikalische Bearbeitung von Uwe Sochaczewsky
Deutsche Dialogfassung von Elena Tzavara

Entnommen von www.omm.de

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