Kunst & Kultur,  Musik

Vielfältiges Wunschkonzert mit Harfe – Ulla van Daelen

Beinahe ein buntes „Hafenkonzert“

Schon rein optisch war das ein tolles Bild: eine große goldglänzende Harfe, die man ja eher selten direkt aus der Nähe zu sehen bekommt, da sie sich oft im Orchestergraben oder hinter anderen Instrumenten versteckt. Diese inmitten in der hübschen evangelischen Kirche in Kürten-Delling und umgeben von ca. 150 Konzertbesuchern, vor dem sog. „Prinzipalstück“, der Kanzel senkrecht über dem Altar. Im Bergischen findet man diese Anordnung häufig, zumeist noch mit der Orgel darüber. Nach Luther wird die auf dem Altar liegende Bibel dann auf der Kanzel verkündet, die Orgel dient dem musikalischen Lobpreis Gottes.

Freude an ihrer Musik

Angesagt war Ulla van Daelen https://www.ullavandaelen.de/ mit ihrem neuen Soloprogramm “Open Harp“ und lt. Ankündigung „himmlischen Harfenklängen von Barock bis Pop mit Groove und Herzblut sowie erfrischender Moderation“. Und dem sinnvollen Hinweis: „Bitte rechtzeitig Plätze sichern“; das machte Sinn, denn das kleine Gotteshaus war proppenvoll. Wer klassische Harfenmusik hören wollte, war allerdings etwas falsch hier; stattdessen präsentierte van Daelen einen bunten Strauß Melodien querbeet durch fast die ganze Musikgeschichte. Und ganz locker-flockig wie im eigenen Freundeskreis: „Seid Ihr mehr an Klassik interessiert oder lieber Mischmasch?“ Oder bei der Frage nach „Take Five“ – „Kennt das jemand von Euch ?“ Klar doch, der Jazz-Klassiker von Dave Brubeck wurde mit allerlei passenden und weniger passenden Zitaten aus Volksliedern und Bizet´s Oper „Carmen“ versetzt.

 

Die jugendlich-schlanke blonde Mittfünfzigerin im schwarzen Hosenanzug und mit roten Schuhen hatte sichtlich viel Spaß an ihrer Musik; Harfe spielen – das kann sie perfekt, war dir Frühbegabte doch 20 Jahre Soloharfenistin im WDR-Funkhausorchester und hat weltweit mit allerlei Berühmtheiten konzertiert. Wie sie im privaten Gespräch allerdings erzählte, spielt sie heute eher „Crossover“, die Zeiten und der Geschmack des Publikums hätten sich halt geändert. Und: „Man kann die Leute aber auch mit Nicht-Klassik auf den Geschmack bringen“. Perfekt zelebriert sie ihr Instrument mit all seinen musikalischen Möglichkeiten, mit rauschenden Arpeggien und Glissandi, mit perlenden Läufen, mit sensiblen Klanggemälden und klavierähnlichen Akkordfolgen, dazu getrommelter Rhythmus auf dem Resonanzkörper. Erstaunlich, was man mit acht Fingern und zwei Füßen auf sieben Pedalen alles anstellen kann.

Mit dem Gastgeber Pfarrer Knapp

Der „Mischmasch“ mit an die 30 Titel war schon sehr vielfältig: Über die Doors „Riders on the storm“, über Beethovens wunderbar zart hingehauchte „Für Elise“, Mike Oldfiels „To France“, gefolgt von Vivaldi´s „Frühling“ bis zu allen Vögeln, die schon da sind. Der „Itsy Bitsy Strandbikini“ erklang nach Branduardi´s „Pulce d´aqua“ („der mit dem riesigen Lockenkopf“), danach eine Prise Rigoletto, Einsprengsel der „Comedian Harmonists“ und „Hey Jude“ von den Beatles. Im „Orient Express“ vernahm man deutlich das Rattern der Räder, bei „Sailing“ von Rod Steward ahnte man das Rauschen des Meeres. Mitsingen sollte das Publikum bei „Völlig losgelöst“ bzw.  “Major Tom“ von Peter Schilling; mit dem Text haperte es dann doch, ebenso wie bei den Knef´schen „Roten Rosen“. Auch ein Frühlingsgedicht, mühsam zusammen mit einer Konzertbesucherin komplettiert, wird dann eher peinlich. Der joviale Ton der Ulla van Daelen gefiel dem überwiegend älteren Publikum ganz offensichtlich, aber sie sollte darüber nachdenken, auf das Mitsingen zu verzichten; eine Unsitte wie das rhythmische Mitklatschen. Aber es ist halt alles Geschmacksache.

Als letzte der mehrfachen stürmisch erklatschten Zugaben dann der Rausschmeißer, Humperdinck´s: „Guten Abend, gute Nacht“; das reichte dann aber auch, obwohl es erst halb sieben war; die Harfe und auch der CD-Stand wurden noch lange umlagert.

 

Aus der Bergischen Landeszeitung – Kölner Stadtanzeiger

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