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Der Kölsche Schutzmann – Oskar, der freundliche Polizist im Stadtarchiv

 

 

Von Michael Cramer

 

Es ist immer wieder erfreulich zu sehen, dass aus der Bürgerschaft Stiftungen für Museen oder Gebäude kommen; selbiges muss allerdings organisiert werden, denn man kann der Stadt nicht einfach etwas schenken, da muss der Rat zumeist zustimmen. Wenn das auch mal schief gehen kann, wie der von einem privaten Geldgeber gestiftete Anbau am Stadtmuseum, wo sich der anonyme Spender nach jahrelangem Hickhack zurückgezogen hatte. Perfekt klappte es jüngst mit der Fotosammlung Bartenbach für das Museum Ludwig und dem mittelalterlichen Tafelbild für das Wallraf Museum.

      

 

 

Aber auch weniger spektakuläre Schenkungen lösen große Freude aus, vor allem, wenn diese in engem Zusammenhang mit der Stadt stehen, so bei „Oskar, dem freundlichen Polizisten“. Urheber, sozusagen Erfinder dieser Figur war der Ur-Kölner Otto Schwalge, ein ausgebildeter Designer und Grafiker, welcher de    n Kölner Polizisten Peter Schaffrath bei der Aufnahme eines Verkehrsunfalls beobachtet hatte. Dessen erstaunliche Ruhe und Gelassenheit hatte Schwalge dermaßen imponierte, dass er diesen Menschentyp zeichnerisch erhalten wollte – eine Kölner Kultfigur als Comic. Fortan erfreuten sich viele Kölner ab 1954 an den Bildgeschichten am Samstag im Kölner Stadtanzeiger, den Schreiber dieser Zeilen eingeschlossen, der sich sehr gut an seine damalige Vorfreude erinnert. Nach einer temporären Einstellung der Geschichten hagelte es Leser-Proteste, die Serie lebte wieder auf und wechselte in die Wochenendbeilage, die „bunten Blätter“, später dann auf die Kinderseite der Zeitung; hier war dann erst Mitte 2012 Schluss mit Oskar. Schwalge verstarb kurz darauf; er hinterließ seinen Oskar, für den er nur den Schnurrbart hinzuerfunden hatte, immerhin als Maskottchen einer Polizeiorganisation und als Namensgeber für ein Boot der Wasserschutzpolizei. Schwalge selbst wurde zum Polizeikommissar ehrenhalber befördert und erhielt neben diversen Karnevalsorden das Bundesverdienstkreuz erster Klasse.

Dr. Schmidt-Czaia und Anke Wollenweber

Seinen umfangreichen Nachlass mit über 10.000 Zeichnungen haben seine Kinder nun dem Stadtarchiv geschenkt; eine noble, aber auch sehr sinnvolle Geste, um die öffentliche Erinnerung an Schwalge zu erhalten, anstatt alles auf einem Dachboden einstauben zu lassen. Archiv-Chefin Dr. Bettina Schmidt-Czaja jubelte und spitzte ihre Diplom-Archivarin Anke Wollenweber an, als Dank an die Spender nach Sichtung und Katalogisierung aus dem Material eine hübsche Ausstellung zusammenzustellen; diese ist bis zum 14. April im Archiv kostenfrei zu besichtigen. Und da ist richtig viel zusammengekommen, denn Schwalbe war auch Werbetexter, entwarf Karnevalswagen für den Rosenmontagszug, gestaltete Messgewänder und Kölschgläser, illustrierte Schulbücher und sorgte sich mit kleinen Bilderserien um die Probleme und den Alltag der Bewohner von Köln.

     

Es gibt reichlich zu sehen im Archiv, nicht nur eine Original-Notrufsäule und den Oskar in Stein gemeißelt, sondern auch Oskar-Bierdeckel, denen man sein persönliches Verhältnis zu Oskar anvertrauen und an eine große Pinnwand heften kann. Wie Archiv-Direktorin Dr. Bettina Schmidt-Czaia richtig vermutete, ist Oskar auch als Reaktion auf das autoritäre Gehabe der Nazis und ihrer Schergen entstanden, welches Schwalge ja live miterlebt hatte. Ein freundlicher und humorvoller Polizist, dem man Vertrauen schenken konnte – das war wirklich etwas Neues in der Obrigkeits-misstrauischen Nachkriegs-Bevölkerung. Zentrale Themen wie das Auto an der Parkuhr, der wilde Müll in den Parks und die Hinterlassenschaften der Hunde: Schwalge propagierte hier bereits „Hunde-Politessen“, die Strafbefehle für „Tretminen“ verteilen sollten. Oskar war damit ein echter Vorreiter für urbane Lebensqualität. Und engagierter Nichtraucher, der vor allem Jugendliche von der Qualmerei abhalten wollte. Das alles über die markanten Comic-Strips, zwar nicht wie in Amerika mit Superhelden, dafür aber mit einer sehr liebenswerten Figur, welche die Schwächen seiner Mitmenschen nicht anprangerte, sondern nur dezent und humorvoll zeigte. Das war das ganz großes Geschick von Otto Schwalge, der sich dadurch bis heute in die Herzen vieler Kölner eingebrannt hat.

Guter Rat: Gehen Sie mit Ruhe in das Stadtarchiv an der Südseite des Heumarktes, links neben dem „Brauhaus zur Malzmühle“ und leicht erkennbar an den großformatigen Oskar-Aufklebern. Dort gibt es eine wunderschöne Broschüre von Anke Wollenweber zu Oskar und einen großformatigen Kalender für 15.- €. Den man sich unter www.oskar.koeln auch bestellen kann, ebenso die Broschüre. Aber besser: selbst hingehen und anschließend auf ein Kölsch ins Brauhaus einkehren.

Dienstag bis Sonntag: 10:00-16:00 Uhr, Mittwoch bis 19:30 Uhr

Tel. 0221 221 24455

www.oskar.koeln

 

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