Musik

Manfred Schoof 90 – familiäres Geburtstagskonzert

 

Der Konzertsaal im Kölner Stadtgarten war überbelegt, zahlreiche Jazzfans standen in den Gängen und den Seiten. Was war los? Einen runden Geburtstag galt es zu feiern, und einen sehr berühmten Jubilar dazu: Manfred Schoof ist am Ostermontag 90 Jahre alt geworden, einer der profiliertesten Jazzmusiker Deutschlands. Und das geht natürlich nur mittels eines Konzerts, mit alten Weggefährten, der Familie und ehemaligen Kollegen. Eine einfach grandiose Mischung.

Über 3 sehr kurzweilige Stunden führte er fast allein durch das Programm, mit erstaunlicher, nicht nachlassender Frische, mit seiner wunderbaren Nonchalance und spitzbübischem Lächeln. Und stellte seine z.T. weit angereisten Gäste auf der Bühne vor: Jochen Schmidt (bass), Mike Herting (keys), Markus Stockhausen und Andy Haberer (tp), Jiggs Wigham (pos), Paul Shigihara (git), Heiner Wiberny (sax), Terence Bgassa (tp, voc) und Willy Ketzter (drums), eine Liste perfekt für „who is who“ der europäischen Jazzszene und ein einmaliges Geschenk für Manfred. Wer bekommt schon so etwas ?

Die Vita von Schoof liest sich sehr vielfältig: nach dem Studium in Kassel und hauptsächlich an der Musikhochschule in Köln hat er die gesamte Jazzmusik von der „Pike auf“ studiert (Trompete, Klavier und Harmonielehre). Anschließend prägte er mit seinem Quartett „Old Friends“ den europäischen Free-Jazz zusammen mit Klaus Doldinger, Albert Mangelsdorf und Alexander von Schlippenbach, später auch mit der „Clarke Boland Bigband“ und mit Kurt Edelhagen. Er hatte sich damals mit Gleichgesinnten um freiere Spielweisen und einen neuen Ausdruck im Jazz bemüht; so wurde er zu einem wahren Jazz-Pionier. Zahlreiche Aufnahmen auch bei Youtube belegen dies. Schoof dazu; „Wir machten nichts nach, sondern schufen Neues“, und:  „Diese offene Vielfalt war eine Qualität der damaligen Zeit, in der wir Tabula rasa machten, um zu einem neuen Ausdruck zu gelangen.“

An der Kölner Hochschule kam er mit dem Komponisten Bernd Aloys Zimmermann zusammen, der sein Interesse an Neuer Musik weckte. Schoof schrieb auch ein Trompetenkonzert, welches er mit den Berliner Philharmonikern aufführte. Sein Orchester ging sogar auf Tournee in die DDR, initiiert von der „ständigen Vertretung der BRD“. An der Kölner Musikhochschule bekleidete er ab 1979 über 30 Jahre selbst eine Professur für Jazztrompete und Jazzgeschichte.

In seiner musikalischen Tätigkeit war er immer sehr breit aufgestellt, daher konnte er neben dem Jazz auch ganz andere Musik schreiben, etwa für die „Sendung mit der Maus“ oder das ARD-Morgenmagazin. Sehr schön war es, die damaligen Macher life zu erleben: Armin Maiwald (Maus-Sendung), den Regisseur Christoph Biemann, der den Spruch prägte zum Prinzip Maus: „Die Kunst, einfach zu erklärenoder den „Geschichtenfinder“ Gerd Kaspar Müntefering, einer der wesentlichen Macher des WDR-Kinderprogramms.

Richtig familiär wurde es mit der anrührenden Rede seines Sohnes Julian, ein Klassenkamerad der Tochter des Berichterstatters. Er outet sich als gänzlich unmusikalisch, trotz eingehenden Unterrichts. Der Papa ergänzte aber ein wenig stolz, dafür sei er ein erfolgreicher Investment-Banker geworden. Schoofs immer noch sehr attraktive Ehefrau Marianne kam leider nicht selbst zu Wort, wurde aber von vielen Vortragenden und auch von Manfred selbst als die Seele und der Motor seiner Karriere bezeichnet. Nicht umsonst hat er mit seinem Quintett ein Stück „For Marianne“, eine seiner allerschönsten Kompositionen, zart, ja zärtlich gespielt als ein Moment für die Ewigkeit. https://www.youtube.com/watch?v=SU6nxN_XfO4&list=RDSU6nxN_XfO4&start_radio=1

Inzwischen hat er seine Trompete beiseitegelegt (er spielte auch oft das Flügelhorn und das Kornett). Hatte aber seine alte Studioband 2018 noch einmal zusammengetrommelt für ein außergewöhnliches Konzert in Overath, wo er seit langem in der Nähe wohnt. https://www.kulturcram.de/2018/06/die-manfred-schoof-studio-band-im-kulturbahnhof-overath/ Dazu musste er allerdings noch einmal lange und heftig üben.

Zu erleben war ein außergewöhnliches Konzert, eine Huldigung an einen großen Musiker und Komponisten. Der nach drei Stunden meinte, es wäre jetzt genug, alle hätten prima gespielt, aber jetzt ging es noch ans Feiern. Getränke und Häppchen inclusive. Wirklich sehr erstaunlich, der Mann.

 

Geburtstag am 6. April 1936 in Magdeburg

Konzert im Stadtgarten am 20. April 2026

Retension: Michael Cramer

Fotos: ©M. Schoof und M. Cramer

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