Krasse Komödie mit Tiefsinn: „Rent a Friend“ im TaD
Scharfsinniges Stück über Schein und Sein
Oliver Durek, Chef des Kölner „Theater am Dom“, hat mit dem neuen Stück „Rent a Friend“ wieder einmal seine gute Nase für perfekte Theaterstücke bewiesen. Hier trifft die angeblich sehr erfolgreiche und angeblich schwangere Immobilienmaklerin Sarah auf ihren lange nicht gesehenen Vater Karl. Der ist angeblich steinreich mit eigener Privatinsel in der Karibik und hat seine angeblich neue Ehefrau mitgebracht. Der Autor Folke Braband, auch zuständig für die Regie, hat hier eine kluge Geschichte um Schein und Sein konstruiert: alle lügen wie gedruckt, und jeder spielt nur seine Rolle in seinem Leben.
Die schicke Sarah (Alice von Lindenau) brauchte für das Treffen einen Verlobten, den sie wegen ihres beruflichen Stress aber nicht vorweisen kann. Daher mietet sie bei der Agentur „Rent a Friend – für die Vermietung von Familienmitgliedern“ in an allen Lebenslagen einen Begleiter, möglichst vom Typ George Clooney. Der kommt auch, sollte aber eigentlich bei einem Kindergeburtstag als Spaßvogel auftreten. Gabriel (Torben Krämer) -die Agentur hat den falschen Mann geschickt – wirkt ziemlich armselig und mittellos. Er muss daher eilends raus aus seinen schlunzigen Klamotten, die eigene Biografie sowie die üppige Familiengeschichte auswendig lernen und einen erfolgreichen Schönheitschirurgen mimen. Der Tennis spielt und Marathon läuft.
Aber der sich als sehr schlagfertig erweist und souverän alle Klippen umschifft. Das Publikum amüsiert sich köstlich über eine ganze Batterie von Gags und verdrehten Redewendungen; Torben Krämer ist hier voll in seinem Element als Improvisationstalent. Ganz irre gerät die Schilderung vom Tode seiner ersten Ehefrau mit Beifall auf offener Szene. Und köstlich seine Bemühungen zum Warm-Up mit Duzen, Küssen – bitte ohne Zunge – und vertrautem Umgang; man ist ja immerhin verlobt.
Bis der Herr Papa kommt (wunderbar: Michael von Au), mit Juanita (Caroline Beil), seiner 4. Frau, einer ehemaligen Latino-Schönheit im Schlepptau. Der plustert sich mächtig auf, ist angeblich im Internet nur anonym unterwegs, mimt den harten Brocken und schwärmt von seinem Besitz und seinen exotischen Reisen.
Aber auf einmal erkennt Juanita den Gabriel: „Wir beide sind doch von derselben Agentur“, und spricht auf einmal statt „Spanisch mit Knubbeln“ ein herrliches Kölsch. Und Torben drängt Sarah, doch bitte endlich das Lügengespinst zu beenden, denn dann ginge es allen viel besser. Die sich aber ewig ziert, bis sie den bereits gegangenen Papa dann doch anruft, der noch vor der Türe steht und der Tochter erleichtert in die Arme fällt. Licht aus.
Das rührende Ende der Geschichte täuscht ein wenig über die harte Leistungsgesellschaft hinweg, in der wir leben, die Hauptsache ist immer der Erfolg. Und in der man seine Einsamkeit geschickt verschleiern kann.
Die brillanten Schauspielerleistungen aller Akteure haben das Publikum zu langem und heftigem Applaus animiert. Fazit: Sehr sehenswert.
Hinweis: Die Agentur „Rent a friend“ existiert tatsächlich. In China mieten sich Frauen einen „Verlobten“, um den Nachfragen besorgter Eltern zu entgehen.
Hier ein Video mit Folke Brabant über sein Stück (Link folgt)
Premiere am 30. Juni 2026
Besuchte Aufführung am 6. Mai 2026
Vorstellungen bis zum 28. Juni 2026
Karten unter www.theateramdom.de
Rezension von Michael Cramer
Fotos: ©Theater am Dom






