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Familienkonzert der Bigband in GL

Tolles Bigbandkonzert mit schmackhaften  „Einlagen“

Von Michael Cramer

 

Bläsertöne von der Empore zum Konzertbeginn – Musikkennern fällt dazu Wagner und Bayreuth ein. Nicht aber in Bergisch Gladbach; hier wird mit Aaron Coplands berühmten „Fanfare for the common man“ auf das jährliche Familienkonzert der örtlichen Bigband eingestimmt, und das vor über 500 Zuhörern in der integrierten Gesamtschule Paffrath. Dies ist die Hauptveranstaltung der Band, die über das Jahr ein neues Programm einstudiert und auch daneben reichlich musikalisch beschäftigt ist; so in Kürze zweimal auf dem Kölner Weihnachtsmarkt am Dom. Von den Einnahmen finanziert sich die Band und ihren Dirigenten selbst. Das ist Christian Hembach, Profi-Saxofonist und Arrangeur, bei ihm sind die ca. 30 Mitglieder, die wöchentlich proben, bestens aufgehoben. Die Freizeitmusiker stammen aus ganz unterschiedlichen beruflichen Bereichen und sind mit Begeisterung bei der Sache. Was man auch hören konnte, wurde doch über fast zwei Stunden ein äußerst vielfältiges Programm geboten.

Eine Bigband  (auch Jazz Orchester) ist eine große Jazz-Band mit mehrfach besetzten Blasinstrumenten und einer sogenannten Rhythmusgruppe. Diese Bands kamen in den USA- der 1920er Jahre auf und waren stilprägend für die Swing-Ära. Im Gegensatz etwa zum Dixieland ist die Musik durchkomponiert, erfordert hohe Präzision und Taktgefühl der Musiker und einen energischen Dirigenten. Hembach dabei zuzusehen war schon ein Vergnügen an sich, wie er mit ausgeprägter Körpersprache, mit zackigen, weit ausladenden Gesten seine Leute anspornte, von ihnen aber auch sanften Wohlklang und Sensibilität abforderte. Spaß hatten die Zuhörer auch an der originellen Moderation von Stefan Güsgen, der mit allerlei Zaubertricks den nächsten Programmpunkt ankündigte und natürlich etliche Ehrengäste, darunter den zweiten Bürgermeister Josef Willnecker und das Bundestagsmitglied Dr. Tebroke begrüßte. Sie alle lauschten jazziger Musik von Chick Corea und James Ingram, Ohrwürmern wie „Fly in the moon“ und „Swing Supreme“ von Robbie Williams oder „Jutro ispod Leotar“, hier mit Fritz Herweg, dem Leiter der Musikschule, eindrucksvoll an der Gitarre.

Andrea Schemann im schicken knallblauen Kleid und mit interessanter, sehr variabler Stimme ist die Sängerin der Band, Ralf Altenreuther ihr gestandenes männliches Pendant; sowohl solo wie auch in der fein abgestimmten Zwiesprache „Quando quando“ wurden beide sehr sensibel begleitet. Überraschungsgast waren die im Programm erwähnten „Einlagen“, die „Klangsurfer“, vier smarte junge Herren in türkisfarbenen Hemden mit Barbershop-Gesang. Diese vierstimmige a-capella-Musik dreht sich zumeist um die Liebe und zwischenmenschliche Beziehungen, entstanden in USA während der Wartezeiten beim Barbier, hier sehr frisch und begeisternd gesungen und mit einer toller Ausstrahlung.

Natürlich durfte auch Weihnachtliches nicht fehlen, so „I will be home for Christmas“ und der berühmte „Christmas Tree“. Und zum Schluss dann der Knüller: Die Band zusammen mit der Barbershop-Group in „I wanna be like you“ aus dem Dschungelbuch, incl. Bananen und ganz viel Spaß im Publikum, welches die Musiker und die zahlreichen Solisten lautstark und lange feierte. Ein rundherum tolles Konzert mit einem durch die Schüler der IGP organisiertem vorbildlichem Catering; auch das muss mal lobend  x  erwähnt werden. Denn wo bekommt man sonst in einem Konzert einen Prosecco für 2 Euro ? Daher schon mal vormerken: 1. Advenr 2019 !

Fotos: © Bigband-GL