Musik,  Theater

Aidas Rivalin – große Oper auf kleiner Bühne

 

Ein anspruchsvolles Monodrama im Bauturm-Theater Köln

Bei „Aida“ denken viele an das bekannte Kreuzfahrtschiff, kulturell Beflissene wohl auch die Oper des großen italienischen Komponisten Giuseppe Verdi und an den Ohrwurm des berühmten Triumphmarsches. Operngänger waren vielleicht auch schon mal in der Arena in Verona, worüber einst der „Spiegel“ ätzte: „Reichsparteitag, Lourdes und Holiday On Ice zur Musik des armen Verdi“. Aber darum geht es hier nicht.

Das kleine, feine Kölner Bauturmtheater hatte 2017 mit Purcells „Dido und Aeneas“ schon einmal eine echte Oper aufgeführt und stemmt jetzt sogar die „Aida“, allerdings unter dem modifizierten Titel „Adidas Rivalin“. Wie das ? Wen gab es denn als Rivalin ? Ein Blick in den Opernführer verrät es: Die äthiopische Prinzessin Aida war in ägyptischer Gefangenschaft und musste Amneris als Sklavin dienen. Diese hatte aber das Pech, vom Feldherrn Radames nicht geliebt zu werden: halt eine klassische Dreiecksgeschichte mit viel Eifersucht. Radames verrät ein Kriegsgeheimnis und wird dafür zur Strafe lebendig eingemauert, Aida teilt freiwillig sein Schicksal.

Aber es ist ganz anders als gedacht: Es geht um die Rivalität zwischen einer Sopranistin und einer Mezzo-Sängerin, d.h. einer halben Sopranistin.

Das Werk ist eine der meistgespielten Opern, eine tieftraurige Geschichte mit viel Herzschmerz. Und nun im Bauturm? Dazu muss man wissen, dass die Kölner Kammersängerin Dalia Schächter schon mehrfach in der musikalischen Revue „Warschau – New York – Tel Aviv“. erfolgreich hier aufgetreten ist. Ihrem Wunsch für eine Gemeinschaftsproduktion folgten das Theater und die Oper Köln gerne, zumal die Oper für zwei Sängerinnen, nämlich die Aida und die Amneris, eine sehr dankbare Bühne bietet. Aber vor allem, weil sie hier alle Rollen selbst singt, Sopran und Mezzo. Begleitet wird sie von Theresia Renelt am Flügel, die alles auch arrangiert und neu erlebbar gemacht hat, mit dem Akkordeon von Dorrit Bauerecker und dem Schlagzeuger Kurt Fuhrmann. Arne Böge hat Regie geführt, unterstützt von den Dramaturgen René Michaelsen (Bauturm) und Stephan Steinmetz (Oper). Kein einfacher Job, da Dalia Schächter noch einiges mehr zu erzählen hat als nur die Aida-Geschichte. Und das zweisprachig: Italienisch für die Klangschönheit, Deutsch für die Handlung.

Aida wird hier aus der Perspektive einer Mezzosopranistin geschildert, die meist die zweite Geige spielt, aber die das größere szenische Potential hat. Wenn gleich der Jubel des Publikums dennoch der Sopranistin mit der immensen Strahlkraft gilt.

Das hochbegabte, professionelle Mini-Orchester spielt auch die schwierige Triangel, Melodica und ein Spielzeugklavier, auf mit Wasser gefüllten Tonkrügen, auf Synthesizer – originell, differenziert und immer überraschend; der Klang lässt die bekannten Aida-Melodien neu erleben. Und begleitet Dalia, ganz ohne Orchestergraben. Die Mezzosopranistin ist europaweit unterwegs mit dramatischen Rollen in „Elektra“, „Lady Macbeth“, „Wagner´s Ring“, in Jenufa, in Salome u.v.a. Es war einfach toll, die Künstlerin aus nächster Nähe live zu erleben. In einem der ungewöhnlichsten und einzigartigen Abende im Kölner Bauturmtheater.

Zu goutieren war höchst phantasievolles, lustiges und auch zu tiefst berührendes Theater, wenn die Aida nach dem Ende der Geschichte auf ihr Leben zurückblickt, zusammen mit unorthodoxer Verdi ´scher Musik. Wenn auch die Oper nicht zur der Einweihung des Suezkanals gespielt wurde; stattdessen gab es „nur“ den Rigoletto.

Das Stück wird nur noch zweimal aufgeführt, ein Besuch ist sehr anzuraten, Karten sind verfügbar. www.theaterimbauturm.de

Besuchte Aufführung: Premiere am 2. Mai 2026

Fotos: © Laura Thomas

Eine Koproduktion mit der Oper Köln

Rezension: Michael Cramer

Dauer: 90 Minuten ohne Pause

 

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