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Bayer-Philharmoniker – fast professionell in Eulenbroich

 

Schlossfoto © Löffelsender

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Viele argwöhnische Blicke beim 4. Eulenbroich-Schlossfest im ausverkauften Open-Air-Konzert der Bayer Philharmoniker gingen gen Himmel, der sich langsam dunkel färbte. Egal, die knapp 50 Musiker saßen trocken unter dem großen Zelt, also erstürmte Dirigent Bernd Steiner mit einem kräftigen Sprung seinen Platz und begann schwungvoll mit der Ouvertüre zu Franz von Suppès Operette „Die schöne Galathée“. Das Blech schmetterte, die Streicher strichen kräftig, der Pauker haute rhythmisch auf das Fell – bis zum zarten Hornsolo, denn dann begann es zu regnen. Mist auch. Der Veranstalter verteilte rasch Regencapes, die offensichtlich sofort geholfen haben, denn dann hörte es auf zu regnen. Den Trick muss man sich merken. So kam man in den Genuss, die ersten 5 Minuten noch einmal zu hören, und dann das ganze Konzert unbedeckten Hauptes. Die Bayer Philharmoniker sind  hoch qualifizierte Freizeitmusiker – der Begriff     „Laien“ wäre zu despektierlich – und angeführt von einem absoluten Profi, vielfach prämiert, mit Dirigaten an berühmte Häusern und Professor und Lehrer für diverse Musikfächer. Und das konnte man hören. Steiner, der als Chef des Kölner Männergesangvereins auch das „Divertissementchen“, die „Cäcilia Wolkenburg“ leitet, schafft mit weit ausholenden Bewegungen, mit präzise gegebenen Einsätzen und mit dynamischen Anforderungen an seine spielfreudigen Musiker ein erstaunlich musikalisches Ergebnis.

Nach der Walzerseligkeit dann „ernste Musik“, die berühmte „Unvollendete“ von Schubert mit 2 Sätzen, quasi aus dem Nichts entstehend, mit dem herrlichen Oboenmotiv, gefolgt von den singenden Celli – das war schon sehr professionell. Manch kundigen Zuhörer sah man da heimlich mitsummen. Auch beim Ohrwurm „Die Moldau“ von Smetana mit lustig klappernden Bläsern, einfach herrlich musiziert. In der Pause konnte man sich an etlichen Ständen laben, darunter ganz vorzüglich die Kalbsfrikadellen.

Mozart durfte nicht fehlen, hier mit der Ouvertüre seiner letzten Oper „La Clemenza di Tito“, sehr lebendig und opulent. Martin Haunhorst, Konzertmeister der Philharmoniker wie auch des Profi-Orchesters „Bergischen Sinfoniker“, glänzte mit Beethovens Violin-Romanze Nr. 2, mit romantisch angehauchten Ton und hervorragender Technik. Und der Dirigent mit guter Beobachtungsgabe, hatte er doch entdeckt, dass der Wind die Noten des Solisten zugeklappt hatte. Blitzschnell brachte das Malheur in Ordnung und produzierte damit einen kleinen Heiterkeits-Erfolg. Wie überhaupt die Noten wegen des Windes nur mit zahlreichen Wäscheklammern fixiert werden konnten.

Bei der Carmen-Suite No. 1 von Bizet ging dann so richtig die Post ab, die bekannte, eingängige Musik ließ die Zuhörer sichtbar begeistert mitgehen; zum Glück wollte niemand mitklatschen. Deutlich besinnlicher klang es dann bei der Peer Gynt-Suite von Grieg, romantisch, fast zärtlich bei Elgar´s „Salut d´amour; von Georg Ulmer erklang der Evergreen „Pigalle“, und als Abschluss dann Pizollas „Libertango“. Das reichte nach über zwei Stunden eigentlich, aber das begeisterte Publikum erklatschte sich eine Zugabe: Leichte Muse mit „Fiddle Faddla“, wo die Violinen so richtig zeigen konnten, was sie an Technik drauf haben. Dann der Dirigent: „Wollen Sie noch was hören?“ Klar doch, dauert aber zehn Minuten. Natürlich „An der schönen blauen Donau“, herrlichste Walzerseligkeit; man dachte vielleicht an das Neujahrskonzert der Wiener oder an Kubricks „Odyssee 2001“ mit dem berühmten Tanz der Raumschiffe. Ein überzeugendes Konzert, mit einem sehr flexiblen Orchester, mit hervorragenden Bläsern, sehr gut geführt, mit guter Organisation und mit einem begeisterten Publikum. So muss es sein.

 

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