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Erstmalig – Wolfgang Trepper im Kölner Senftöpfchen

Der Böllerkopp kann auch ganz lieb

 

Von Michael Cramer

 

Er sei eigentlich ein friedlicher und ganz lieber Zeitgenosse, meinte Wolfgang Trepper im persönlichen Gespräch nach seiner Köln-Premiere im berühmten Senftöpfchen-Theater. Nie in Köln aufgetreten trotz 16 Jahre Karriere und ca. 280 Auftritten/anno ? Warum wusste er auch nicht. Trepper hatte einen gehörigen Respekt vor dem Senftöpfchen, wo sich seit 1959 sämtliche Berühmtheiten der Kleinkunstszene auf der heimeligen Bühne abgewechselt haben, darunter Dieter Höss, Tim Fischer, Alfred Biolek, Hape Kerkeling, Harald Schmidt, Dieter Nuhr und viele andere. Das anfängliche literarisch-politische Kabarett verwandelte Alexandra Kassen – in Köln als “Et Hötche” bekannt – nach dem frühen Tod ihres Mannes Fred in eine moderne Kleinkunstbühne, die jetzt von ihrer Tochter Alexandra Franziska weitergeführt wird. Die zahllosen ständig getragenen Hütchen der Seniorin zieren heute das Foyer des Theaters.

Respekt hat er aber auch vor dem kritischen und verwöhnten lokalen Publikum gerade gegenüber Nicht-Kölnern. Aber den brauchte er nicht zu haben, so blendend war er vorbereitet, wenn auch mit einem großen Ringbuch als gelegentliche Gedankenstütze. Seinen Ruf als „Böllerkopp“ liege an den heftigen Youtube-Videos, auf welche sich die Sender stürzen würden. Dass er auch anders könne, zeigte er in zwei wunderschönen melancholische Szenen, wo er eine quasi posthume Würdigung seines Vaters in der Nachkriegszeit nach langer Gefangenschaft („Du wirst schon sehen, was im Leben wichtig ist“) und der hart schuftenden Kumpel im Ruhrgebiet. Bei letzterer ganz ohne Licht, auf seinem Tisch brannte nur eine kleine symbolträchtige Grubenlampe – schon sehr eindrucksvoll. Und die Hottentotten wollte er so gerne kennenlernen, weil der Vater immer diesen Namen erwähnte, nach dem Klein Wolfgangs angeblicher Lieblingsmusik klang.

Trepper ist ein Mann der feinen, aber auch der deftigen Worte, der unkontrolliert scheinenden lauten Wutausbrüche, in vielen YouTube-Videos zu besichtigen. Ein Knüller ist seine Verspottung des Deutschen Schlagers, speziell von Heino – „So einer gehört in den Knast“ – und Drafi Deutscher: https://www.youtube.com/watch?v=YsmTszSvHi0&app=desktop Aber seine vielfältige Präsenz im Netz scheint seine Fans nicht vom Lifeerlebnis abzuhalten; das Senftöpfchen war bis obenhin ausverkauft, ebenso viele Veranstaltungen auf seiner Tour-Liste unter www.wolfgang-trepper.de; hier findet man ein zweites Kölner Event am 24. Mai 2019.

Zahlreiche, nein, eigentlich fast alle Politiker bekommen ihr Fett weg: AKK Kramp-Karrenbauer ist die uneheliche Tochter von Sabine Leutheuser-Schnarrenberger, Trepper bastelt daraus einen Vierfachnamen und schlägt eine Bresche für den ob seiner Büttenrede heftig gescholtenen Bernd Stelter. Tom Kaulitz, Stecher von Heidi Klum, wechselt sich angeödet wöchentlich mit seinem Zwillingsbruder ab, das ZDF hat ein neues Format „Banales für Nahles“, die mit „ in die Fresse geben“ nur ihre eigene gemeint haben dürfte. Die Ledige wolle „entweder Mutter oder Kanzlerin sein“, Trepper: „Männer, wer traut sich ?“ Immer wieder hackt er auf Sophia Thomalla rum, schimpft auf Eltern, die ihre „sitzsackähnlichen“ fetten Kinder mit viel zu großen Autos in die Schule kutschieren, und liebte Dieter Thomas Heck, Idol seiner Jugend. Der war Kettenraucher,  genau so wie Helmut Schmidt, beide sind sehr alt geworden. Die haben wohl denselben Hausarzt gehabt, vermutet er. Zu eingespielter Musik seiner Jugend, ob von den Flippers oder der „laufenden Föhnwelle“ Hansi Hinterseher, tanzt der 58jährige gelenkig über die ganze Bühnenbreite, ätzt zwischendurch über Helene Fischer und über Fans der Lindenstraße, die, wohl nur mit Gesamtschulabschluss ausgerechnet auf der problembeladenen Kölner Domplatte für den Erhalt dieser Sendung demonstrieren. „Ich glaub es einfach nicht !“ Auch, dass es Menschen gibt, die „Zwischen Tüll und Tränen“ schauen, übergewichtige Bräute und „sprechende Hüpfburgen“ bei der sehr schwierigen Auswahl des Kleides. Und wie man beim Biathlon nur zweiter werden kann, man habe doch ein Gewehr.
Nach gründlichem Eigenlob ob seines Ordnungssinns (alle Bücher nach Größe geordnet und die Socken auf der Leine nach ihrem Muster, alle gleich herum und mit farblich passenden Wäscheklammern befestigt) wird es nach fast drei Stunden und immer wieder aufbrausende Spontanapplaus noch einmal ernst. Trepper macht Werbung für die vielfältige Kulturszene, da nur auf einer Bühne die Kunst live erlebt werden kann, nicht im Fernsehen. „Gehen Sie hin, erhalten Sie die kleinen Theater“ und sammelt in seiner berühmten roten Tchibo-Handtasche Spenden, passend zu seinen roten Schuhen, diesmal für das Kölner Hospiz für Aids-Kranke des verstorbenen Comedian Dirk Bach. Ein berührender, aber auch sehr erheiternder  und den kritischen Blick schärfender Abend, denn alles, was Trepper sagt, stimmt. Wenigstens beinahe.

Vorstellung am 5. Mai 2019

Fotos © Olaf Kosinsky und Michael Cramer

 

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