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Jubiläumsparty – 20 Jahre “Ohrenauf” beinahe ins Wasser gefallen

Von Michael Cramer

Die Besucher der Gürzenich-Konzerte kennen ihn vielleicht – Gürzi ist seit 20 Jahren der Orchesterhund des Orchesters, quasi der Sicherheitsbeauftrage. Er ist von altem Adel, denn mit vollem Namen heißt er Günther von und zu Gürzenich. Hauptsächlich bei den Kinderkonzerten „Ohrenauf“ passt er nicht nur gut auf die Zuhörer auf, sondern auch, dass die Instrumente nicht kaputt gehen, weil vielleicht jemand drauftritt, und dass niemand zu laut hustet. Denn das stört die Musiker wie die Zuhörer. Und er merkt sich alles ganz genau, z.B. wie viele Konzerte es in den letzten 20 Jahren gegeben hat – 830 Ohrenauf-Konzerte mit 843 Millionen, 839 Tausend und 711 Tönen. In echt. Und die Kinder von 1660 Schulen haben nur 143.652 mal gehustet. Weil nämlich 650.000 Hustenbonbons gelutscht worden sind. Auch toll. Wenn das man kein Grund ist zum Feiern mit den Kindern und Besuchern, denn Gürzi hat Geburtstag; eine große Party in der geschmückten Philharmonie ist angesetzt. Mit vielen bekannten Musikstücken, die Gürzi gut kennt, die er sozusagen im seinem Hundeohr hat.

Nur – jemand hat seinen Ohrwurm geklaut, und damit wäre die Party eigentlich total im Eimer. Es sei denn, man findet ihn wieder, indem man ganz viel Musik hört. Und das passierte beim wunderschönen Feier-Konzert des Gürzenichorchesters, welches geheimnisvoll blau beleuchtet mit Ausschnitten von Brahms (ungarischer Tanz und 1. Sinfonie), Dvoraks Neunter, Beethovens Pastorale, der Barcarole des auch-Geburtstagskinds Jaques Offenbach und Schubert´s No. 8 echte Ohrwürmer schmetterte, fiedelte und blies. Die von Catharina Starken und Svenja Hein, den Ohrenauf-Macherinnen mit feschem Hütchen charmant präsentiert wurden. Wenngleich diese Musik für die Kleineren in der ausverkauften Philharmonie vielleicht doch etwas schwierig war. Aber es wird in Köln ja dafür gesorgt, dass alle Kinder viel von Musik lernen, nicht nur in den Kinderkonzerten selbst, wo immer alles genau erklärt wird, was da gerade erklingt.

Nein, noch besser: Die Musiker kommen in die Schulen und spielen hier sozusagen ein Privatkonzert. Und oft kann man sich sogar mitten unter sie setzen und direkt quasi sehen – nein hören, wie die Musik aus der Trompete und der Klarinette kommt und wie es sich anfühlt, mal selbst auf die große Pauke zu hauen. Wer kann das schon ? Das Ganze nennt man – etwas schwierig – ein Musikvermittlungsprogramm; allen Kindern und Jugendlichen, also dem Konzertpublikum von morgen, soll klassische Musik nahegebracht werden. Nicht nur Helene Fischer und Heino und grimmige Rapper sollte man hören, sondern auch Mozart und Beethoven. Denn auch die haben sehr fetzige und tolle Musik geschrieben.

Wer das sehr lesenswerte Programm, geschrieben von der Pressechefin Dr. Nina Josefowicz, nicht kennt, hier der Link: https://www.guerzenich-orchester.de/konzert/jubilaeumskonzert/369/

Natürlich war Gürzi selbst da, hoch gewachsen und frisch gebadet, geföhnt und gekämmt, köstlich geführt und gesprochen von Daniel Calladine. Er wurde mit einem heftigem Tusch begrüßt von Giederè Slekytè, der jungen und feschen Dirigentin aus Litauen – daher der ungewohnte Name. Sie dirigierte zum ersten Male das große Gürzenichorchester; das sah nicht nur prima aus, sondern klang auch genauso.

Gürzi hatte  viel zu tun mit den großen Kartons, wo Geschenke drin waren, und fragte nach den Instrumenten des Orchesters. Die erklärten dann einzelne Musiker selbst, fast als ein Rätsel: Was bedeutet eine englische Flagge und das Horn einer Kuh ? Richtig, ein Englischhorn, eine besonders große, geheimnisvoll klingende Oboe. Natürlich wurde dann die passende Musik gespielt aus dem 2. Satz der berühmten Sinfonie „Aus der Neuen Welt“ von Dvorák. Und ein Geburtstagslied gab es natürlich auch, von allen Geburtstagsgästen zu einem Ohrwurm von Beethoven aus der „Pastorale“, seiner 6. Sinfonie gesungen.

Besondere Gäste waren die Schülerinnen und Schüler vom Manderscheider Platz und der Antwerpener Straße,  die eine richtige musikalische Revue einstudiert hatten und auf der hinteren Empore zu bekannten Stücke von Strauss, Mozart, Ravel und Smetana sangen und begeistert tanzten – ein sehr lustiges und ungewohntes Bild. Natürlich wurde dann Gürzi´s Ohrwurm gefunden, Daniel Calladine, jetzt mit schickem blauen Jackett, präsentierte unter großem Applaus ein altes Notenbuch, wo all die Ohrwürmer drinstanden. Denn sie waren nicht geklaut, sondern nur verliehen worden. Alles gut daher.≈

Ein großes Kompliment an die Macher dieser kindgerechten Party von Kai Anne Schumacher (Szene) und Stella Lennert (Ausstattung) und das entzückende, kostenlose Programm zur Veranstaltung. Die Kinder verfolgten erstaunlich aufmerksam das Konzert und freuten sich dann im Foyer über Ohrenauf-Luftballons und originelle kleine Geburtstagskuchen. Und natürlich wollten viele von den Eltern mit Gürzi fotografiert werden wollten zum Andenken an ein ganz besonderen Geburtstag.

Rechts: Großer Gürzi-Fan Lotte Götze (9)

Konzert am 27. Februar, Fotos © Gürzenichorchester

 

 

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