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Stabat Mater- Beglückendes auf dem Lande

Pergolesi´s “Stabat Mater – wunderbar auch in Rösrath

Trotz zahlreicher hochkarätiger Konzerte im näheren Umkreis – in Honrath spielte sogar das Auryn-Quartett – und der warmen Frühlingssonne war die kleine Barockkirche in Rösrath am Sonntag Nachmittag fast voll besetzt. Grundlage des Werkes ist ein lateinisches Gedicht aus dem 12. Jahrhundert; in nahegehenden Worten werden der Schmerz der Mutter Maria angesichts des Gekreuzigten und die darauf gegründete menschliche Erlösungshoffnung beschrieben. Der Text des unbekannten Verfassers wurde bis in die Neuzeit ca. fünfzig mal vertont, so von Berühmtheiten wie Vivaldi, Boccherini und Verdi bis hin zum Neutöner Wolfgang Riehm. Ewiger „Renner“ ist die Version des sehr jung gestorbenen Giovanni Pergolesi von 1763, sein letztes Werk, geschrieben für Sopran, Alt, Streicher und Continuo; früher mit Kastraten, und heute zunehmend wieder mit Countertenören (Altus) aufgeführt. Pergolesi verfügte über einen großen Einfallsreichtum an cantablen Melodien; so gilt er als Schöpfer der „opera buffa“ und ist – ähnlich wie Rossini mit seiner „Petite Messe Solennelle“ oder bei Verdis “Requiem“, scherzhaft oft als seine letzte Oper bezeichnet – in einigen Teilen schon einem opernhaften Gestus verpflichtet. Sein „Stabat Mater“: Eine reizvolle Verbindung von Altem und Neuem, mit geschmeidigen Melodien und warmer Sensibilität. Kein Wunder, dass Zeitgenossen den theatralischen Charakter des Werkes kritisierten, während andere in dem Stück „das Ideal der neuen empfindsamen Kirchenmusik“ sahen.

Auftakt mit Vivaldi und Barbara Felicitas Marín

In Rösrath erklang das ausgezeichnete Freizeit-Vokalsensemble „Silberklang“, benannt keinesfalls nach der Haarfarbe der zehn überwiegend fast jugendlichen Damen. Diese schufen einen wunderbaren, beinahe silbrigen Wohlklang, mit sauberer Intonation, präzisen Einsätzen und großer hörbarer Freude an der Musik, einstudiert von Barbara Felicitas Marín. Diese ist studierte Sängerin, arbeitet auch als Gesangs-Lehrerin und hat gute Kontakte zum „Ama Deus Quartett“, einer Truppe von Orchestermusikern, die im Programm scherzhaft als „WhatsApp-Orchester“ firmiert nach der Technik, sich für Engagements zu verabreden (Michael Kibardin, Elena Jossifova, Anton Huber und Lev Gordin). Für das Konzert ergänzt durch den Kontrabass von Szolt Balazs Piri und die Cembalistin Susanna Koslowsky.

Barbara Marín sang den Solopart des Werkes und hatte als Altistin ihre Tochter Luca Maria Caelers mitgebracht, die von ihr auch unterrichtet wird. Und das mit großem Erfolg. Die Siegburger Abiturientin ließ strömenden Wohllaut vernehmen, mit runder weicher Stimme, ausdruckstark und mit schöner Tiefe. Am Volumen wird die junge Dame sicher noch etwas feilen. Mama Barbara glänzte mit kräftigem strahlendem Sopran, sicheren Koloraturen und mühelosen, trotz des Kirchhalls niemals scharfen Höhen. Das Konzert hatte sie eingeleitet mit Vivaldi´s „Nulla in Mundo Pax sincera“. Timm de Jong, studierter Sänger und Dirigent, hielt alle Aufführungs-Fäden sicher in der Hand, gab präzise Einsätze und stachelte die gemischte Truppe an zu großer Aufmerksamkeit.

Ein rundum beglückendes Konzert, und früh genug, um noch einen schönen Spaziergang rund um das Schloss Eulenbroich zu machen und die Musik nachklingen zu lassen. Denn das Konzert wird nicht wiederholt. Schade!

Zum Nachhören hier ganz großartig: https://www.youtube.com/watch?v=xHQVtYzjLao

Auch in der Bergischen Landeszeitung des KStA am 11.4.2019

 

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